Köln morbide: Gallowdance und die 11.000 Jungfrauen

Der eigentliche Grund für meinen Kurztrip ins herbstliche Köln, war zweifellos Lebanon Hanover (ja, es hat sich gelohnt). Doch was hat Otto-Normal-Grufti auf dem Sightseeing-Programm stehen, wenn es ihn in die Stadt zieht? Selbstredend Friedhöfe und in diesem Fall der – wenn man so will – einzige begehbare Reliquienschrein nördlich der Alpen(!), die Goldene Kammer. Klischees wollen bedient werden…

Die Goldene Kammer befindet sich in der romanischen Basilika St. Ursula, ca. 10 Gehminuten vom Dom entfernt. Diesen kann man angesichts dessen, was man in St. Ursula in Ruhe bestaunen kann, tatsächlich mal links liegen lassen.

Die Legende

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Hans Holbein der Jüngere: Ursula, 1523, in der Staatlichen Kunsthalle in Karlsruhe  Joachim Schäfer 

Benannt wurde die Basilika nach der Heiligen Ursula, die sich – der Legende nach – mit ihren 11 Jungfrauen auf Pilgerfahrt begab. Aus den 11 Jungfrauen wurden, vermutlich vor dem Hintergrund der im Mittelalter üblichen Reliquienschwemme, irgendwann 11.000 Jungfrauen. Allesamt wurden sie nach der Rückkehr von Rom nach Köln von den Hunnen ermordet, die Heilige Ursula von Pfeilen durchbohrt. Mit diesen Attributen wird sie üblicherweise auch abgebildet.
Die Gebeine der Märtyrerinnen fanden ihren Platz in eben jener Goldenen Kammer. Soviel zur Legende. Heute weiß man, die Gebeine entstammen einem Friedhof, der früher um St. Ursula angesiedelt war. Die elf Flammen, die auf dem Kölner Stadtwappen zu sehen sind, gehen übrigens auf die elf Jungfrauen der Heiligen Ursula zurück.

Die Kammer des Schreckens

Neben über 100 Reliquienbüsten und Schädelreliquiaren wurde ein erheblicher Teil der Gebeine in Mosaiken an den Wänden verarbeitet. Durchaus üblich war diese Form der Heiligenverehrung im Barock, die Reliquienkammer entstand Mitte des 17. Jahrhunderts. Die älteste Büste kann aber bereits auf das 13. Jahrhundert datiert werden.

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Inschrift im Mosaik: „S. Ursula pro nobis ora.“

Die Basilika

Neben der Goldenen Kammer lohnt es sich auch, der Basilika ein wenig Zeit zu widmen. Ihr Ursprung als „Kirche der heiligen Jungfrauen“ kann bereits auf das 9. Jahrhundert vermutet werden. Während mir in der Goldenen Kammer ein Rentnergrüppchen lautstark Gesellschaft leistete, war ich in der Basilika dann ganz und gar alleine – auch schön.

The Gallowdance

Ok, Lebanon Hanover geben sich nicht so oft die Ehre, schon gar nicht im Süden Deutschlands. Den Auftritt am diesjährigen WGT verbrachte ich zum größten Teil auf Einlass wartend vor dem Stadtbad, den geringeren Teil im total überfüllten Stadtbad. Für mich stand fest, die musst du nochmal sehen…so richtig.

Und nun fand ich mich Samstag Abend im Gebäude 9 nahe der Kölnmesse wieder:20171007_215045

  • Überschaubarer Laden – nicht uncharmant
  • Gemischtes Publikum – nicht unangenehm
  • Getränkeauswahl – top
  • Konzert – unaufgeregt schön! Punkt.

Wie immer, keine Konzertkritik von mir. Aber auch wie immer, ein qualitativ zweifelhaftes Foto, das die Stimmung nicht im Entferntesten einfangen konnte.

Der Friedhof

Sollte man über die Jahre einen gewissen Faible für Friedhöfe entwickelt haben, so kommt man am Melaten-Friedhof schwerlich vorbei.
Die Geschichte des Friedhofs, bzw. der sog. Siechenhäuser, die an gleicher Stelle zu finden waren, reicht bis ins 12. Jhd. zurück. Namensgebend für den Melaten (aus dem Französischen: „malade“, krank) war ebendiese Leprakolonie, der „hoff to Malaten“ (Hof zu Melaten) . In den Siechenhäusern außerhalb der Stadtmauer wurden Kranke und Aussätzige untergebracht. Zudem diente der Melaten im Mittelalter als Hinrichtungsstätte der Stadt, war Schauplatz für Hexenverbrennungen.

Lange Rede, kurzer Sinn…es handelt sich um den größten städtischen Friedhof der Stadt mit einer Vielzahl an historischen Gräbern und Grabmalen prominenter Persönlichkeiten (auf denen mein Augenmerk nicht lag). Nur ein paar Impressionen:

 

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